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Eine bargeldlose Zukunft?

Das Zahlungsverhalten weltweit hat sich in den letzten zehn Jahren stark verändert. Besonders in den skandinavischen Ländern ist zu erkennen, dass das Fortschreiten der Digitalisierung auch einen Anstieg bargeldloser Transaktionen mit sich bringt.

Nordamerika führte Im Jahr 2016 die meisten bargeldlosen Transaktionen durch– mit 153,9 Milliarden Zahlungen. An zweiter Stelle schließt sich Europa an, wo insgesamt 108,1 Milliarden bargeldlose Transaktionen verzeichnet wurden. Spitzenreiter unter den europäischen Ländern sind Dänemark und Schweden.

Doch auch die asiatischen Entwicklungs- und Schwellenländer ziehen nach: mit 70,7 Milliarden Transaktionen stehen sie auf Platz drei noch vor Australien, Japan, Singapur und Nordkorea (zusammen 49,3 Milliarden Zahlungen). Lateinamerika folgt an fünfter Stelle.

Schweden und Dänemark zeigen, wie es geht

Der Einzelhandel in Schweden und Dänemark nimmt rund 95 Prozent seines Umsatzes bargeldlos ein. Aufgrund des geringen Bedarfs, hat die dänische Notenbank im Jahr 2017 sogar das Drucken von Banknoten eingestellt.

Jede Alltagssituation kann in den skandinavischen Ländern ohne Bargeld gemeistert werden. Die Busfahrkarte, ein Brötchen beim Bäcker oder die Nutzung von öffentlichen Toiletten – alles wird mit der Kreditkarte oder per Handy-App bezahlt.

Die Situation in Deutschland

Hierzulande werden immer noch vier von fünf Transaktionen bar getätigt. Bargeld ist in Deutschland hoch angesehen. Viele kleine Beträge können gar nicht mit der EC- oder Kreditkarte gezahlt werden und auch einige Restaurants oder Cafés lassen ausschließlich Barzahlungen zu.

Viele Verbraucher lehnen bargeldlose Transaktionen vehement ab. Sie begründen dies in Sicherheitsbedenken, da Bezahl-Apps gehackt werden könnten oder NFC-Chips (Near Field Communication) von Dritten ausgelesen werden. Auch die Angst vom „gläsernen Verbraucher“ schreckt viele ab, Anonymität geht verloren. Außerdem sehen viele die Kontrolle über ihre Ausgaben in Gefahr.

Dass bisher keine Fälle von Datenmissbrauch bei bargeldlosen Transaktionen bekannt sind und Bargeld ebenso leicht geklaut werden kann, scheint viele Verbraucher nicht zu überzeugen. Doch trotz allem ist eine steigende Affinität zu digitalen Finanzdienstleistungen zu erkennen. Dies zeigt sich in zunehmenden Abschlüssen von Online-Banking-Verträgen oder Online-Krediten.

Eine bargeldlose Zukunft?

Damit das bargeldlose Zahlen auch beim Einkauf im Supermarkt oder dem Bäcker um die Ecke populär wird, ist ein Ausbau der Infrastruktur notwendig. Technisch sind alle Voraussetzungen gegeben, doch auf einen Geldautomaten kommen bisher nur 13 Terminals für bargeldloses Bezahlen – in Schweden sind es immerhin 91.

Bis das Bargeld zu großen Teilen von bargeldlosen Bezahlmöglichkeiten verdrängt wird, ist es noch ein weiter Weg. Auch die Meinungen und Einstellungen der Bevölkerung zu digitalen Transaktionen müssen sich erst noch in die richtige Richtung entwickeln. Eine bargeldlose Zukunft in Deutschland ist also bisher noch nicht in Sicht.