Erfahrungsberichte

Interview: Stefanie erzählt, wie sie neuen Mut fand

Interview mit der freiberuflichen Pflegerin Stefanie

Stefanie steckt in einer Sackgasse. Der 33-jährigen freiberuflichen Pflegefachkraft brechen die Kunden weg. Pflegeeinrichtungen können sich teure Freiberufler wie Stefanie nicht mehr leisten, sondern buchen diese lieber über entsprechende Vermittlungsagenturen. Für sie ist klar: Ein Plan B muss her! Wie dieser aussieht und wie es ihr damit geht, dass verrät Stefanie in diesem Interview!

R48: Liebe Stefanie, bitte schildern Sie, uns und unseren Lesern Ihre Situation! Mit welchem Problem kämpfen bzw. kämpften Sie als freiberufliche Pflegekraft hauptsächlich?

In den letzten Wochen meiner Tätigkeit als Pflegerin sanken die Auftragszahlen stetig. Da fragen Sie sich jetzt bestimmt: Eine Pflegerin, die keine Aufträge hat? Gibt es so etwas?  Schließlich liest man gerade überall, dass Pflegekräfte händeringend gesucht werden.

Das Problem liegt wie so oft in der Bezahlung. Nur die Wenigsten sind bereit für die Pflege Ihrer Angehörigen mehr als nötig zu bezahlen, sodass entsprechende Einrichtungen hart kalkulieren müssen, um einen Gewinn zu erwirtschaften. Dies schlägt sich vor allem in der Bezahlung der Mitarbeiter nieder. Zwar konnte ich als Freiberufler meine eigenen Rechnungen schreiben, damit war ich jedoch immer teurer, als Fachkräfte, die über Agenturen vermittelt werden.

R48: Dabei geht es natürlich um Ihre Existenz. Da kann einem schon einmal angst und bange werden, wenn die Aufträge ausbleiben. Wie konnten Sie in dieser stressigen Situation einen kühlen Kopf bewahren?

Es liegt in meiner Natur, dass ich bei Problemen oder Stress immer ruhiger und stiller werde. Denn mein Kopf ist die ganze Zeit damit beschäftigt, eine Lösung oder einen Weg zu finden, der mich weiter bringt.

So habe ich mir zunächst einen 3-Jahres-Plan erstellt. Darin habe ich formuliert, was ich vom Leben möchte, was ist mir wichtig. Das war zum Beispiel „mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen“, „weniger Schichtdienst“. Dann habe ich geschaut, was meine Stärken und Schwächen sind. Ich war schon immer kommunikativ, was mich auch in diesen Beruf gebracht hat. Ich wollte also wieder mit Menschen arbeiten. Da  ist meine aktuelle Position als Vermittlerin geradezu perfekt. Ich muss nun beinahe täglich telefonieren, Mails schreiben oder auch mal persönlich mit meinen Geschäftspartnern sprechen.

Finanziell kam mir und meiner kleinen Familie zugute, dass mein Mann wenigstens ein sicheres Einkommen mit nachhause brachte. So hatte ich genug Ruhe, um mir über meine Zukunft klar zu werden.

R48: Ihr Plan B lautet nun selbst in die Vermittlung zu gehen. So ein fachlicher Wechsel ist sicher nicht ganz einfach. Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Nein einfach war es nicht. Ich habe einige Schulungen besucht. Musste mich über Rechtsformen und buchhalterische Themen informieren. Vieles kannte ich bereits aus meiner Freiberuflichkeit, dennoch gab es so einige neue Fachbegriffe, die ich mir merken musste. Wie ich genau vorgegangen bin, kann ich gar nicht mehr sagen. In dieser Zeit habe ich so viele Sachen parallel stemmen müssen, dass ich gar keine Schritt für Schritt Liste wiedergeben könnte.

R48: Was erhoffen Sie sich von dem Wechsel in die Vermittlung? Und gab es Tage, an denen Sie Ihre Entscheidung bereut haben?

Nein, nie! Ich gebe zu, in den Anfangstagen war es wirklich anstrengend. Ich musste auf Pflegerinnen und Pfleger zugehen. Ihnen erklären, was ich mache und wie ich ihnen helfen kann. Da gab es viel Misstrauen! Denn nicht jede Vermittlungsagentur arbeitet seriös. Mir kam jedoch zugute, dass mich viele bereits aus meiner Zeit als Pflegerin kannten und wussten, dass sie bei mir gut aufgehoben sind. Und was ich mir erhoffe? Dass ich meine Ziele erreichen kann und mir die Leute weiterhin vertrauen.

R48: Was raten Sie Kollegen und Kolleginnen, die gerade in einer ähnlichen Situation stecken?

Wer wirklich weiter als Pfleger arbeiten möchte, der sollte sich nicht scheuen, auch die Hilfe einer Vermittlungsagentur in Anspruch zu nehmen. Dies wäre auch für mich die Alternative gewesen, wenn ich nicht diesen Weg eingeschlagen hätte. Auch wenn man einmal eine schlechte Erfahrung macht, sind nicht alle Agenturen schlecht. Ansonsten kann ich jedem nur raten, einmal über den Tellerrand hinauszuschauen! Fragen Sie sich: Was möchte ich? Was kann ich? Wie kann ich meine Ziele erreichen!