Erfahrungsberichte

Warum Freiberufler den ganzen Tag nur Kaffee trinken

Die Übersetzerin Kathrin ist seit drei Jahren selbstständig. Egal ob Auftraggeber, Eltern oder Bekannte und Freunde: Jeder hat seine eigene Spekulation darüber, wie ihr Arbeitsalltag angeblich aussehen soll. Sie gibt einen Einblick in die kritischen Einwände Ihres Umfelds.

Bedenken, die meine Eltern bezüglich meiner Selbstständigkeit äußern

Mein Verhältnis zu meinen Eltern ist super: Mit meiner Mutter gehe ich ab und zu Kaffee trinken, mit meinem Vater spiele ich am liebsten Schach. Gemeinsam gehen wir auch mal wandern. Von ihnen bekomme ich jedoch immer wieder die gleichen Sätze zu hören. Meine Eltern waren immer festangestellt und damit zufrieden. Sie malen sich manchmal aus, wie denn mein Alltag aussehen könnte.

„Sogar bei Krankheit kannst du nebenher ein bisschen Arbeiten.“

Letztes Jahr hatte ich eine kleine Lungenentzündung. Ich hatte Husten und Schnupfen. Im Bett hatte ich meine Ruhe. Undenkbar, währenddessen noch für Kunden zu arbeiten und stundenlang vorm Laptop zu sitzen. An Arbeit war nicht zu denken. Wenn ich übersetze, ist das nicht einfach nebenher gemacht. Die Texte würden dann auch qualitativ beeinträchtigt sein. Meine Eltern denken, ich kann doch mal eben schnell eine halbe Stunde daran arbeiten. Schließlich wäre ich ja an keinen festen Arbeitsort oder an Arbeitszeiten gebunden.

„Man ist ja auch selbstständig in der Hoffnung, irgendwann wieder eine Festanstellung zu bekommen.“

Ich schätze die Freiheiten, die mir meine Selbstständigkeit bietet. Kunden kann ich mir aussuchen, ich habe mir mein Themenfeld selbst gesteckt. Bis jetzt war ich immer gut mit Aufträgen versorgt. Ich genieße meine Selbstständigkeit. Es ist für mich mittlerweile unvorstellbar, wieder festangestellt zu sein. Solange ich auch immer genügend Aufträge bekomme, möchte ich das auch nicht. In der Vorstellung meiner Eltern mache ich das aber nur, um irgendwann „endlich“ wieder einen festen Job mit unbefristetem Arbeitsverhältnis zu haben. Für sie ist es erstrebenswert, angestellt zu sein. Sie übertragen Ihre Meinung auf mich und können nicht nachvollziehen, warum ich mich nicht nach Sicherheit sehne.

„Aber wie sicherst du dich denn für dein Alter ab?“

Ich habe eine Rentenversicherung für Selbstständige abgeschlossen. Natürlich ist nicht klar, ob Personen meiner Generation überhaupt noch genug Rente zum Leben ausgezahlt bekommen. Das geht vermutlich auch den Festangestellten so. In den Augen meiner Eltern bin ich verstärkt von dieser gesellschaftspolitischen Herausforderung betroffen.

„Aber was machst du denn, wenn du mal keine neuen Aufträge bekommst?“

Für meinen Vater ist es erstaunlich, wie ich die Akquise hinbekomme. Er befürchtet, dass ich irgendwann mal ohne Auftraggeber dastehen könnte. Schließlich trage ich selbst die Verantwortung dafür. In seiner Festanstellung kümmern sich dann andere darum, wenn es mal nicht so gut läuft. Von meiner Arbeit kann ich sehr gut leben. Kunden zu bekommen war ein Prozess. Das heißt aber nicht, dass sich das ganz plötzlich ändert. Und selbst dann kann ich die Herausforderung selbst in die Hand nehmen.

Meine Freunde beschäftigen immer wieder die gleichen Gedanken

Wenn man jemanden kennenlernt spricht man schnell über seinen Beruf. Auf meine Antwort höre ich gehäuft die gleichen Kommentare. Im Freundeskreis zeigt sich: Vorstellung und Realität eines Selbstständigen gehen weit auseinander.

„Weißt du, ich wollte mich auch schon immer mal selbstständig machen.“

Ganz oft berichten mir Freunde oder Bekannte von Ihrem langjährigen Wunsch nach Selbstständigkeit. Es gibt immer irgendetwas, mit dem man im aktuellen Beschäftigungsverhältnis unzufrieden sein kann. Die Lösung soll eine Selbstständigkeit sein. Das wollten sie eh schon lange mal machen. Das passiert gehäuft dann, wenn ich von besonders spannenden Projekten erzähle. Ich betone dann immer, was mein Weg war und dass Sie es doch einfach probieren sollen.

„Du mit deinen flexiblen Arbeitszeiten hast doch bestimmt auch tagsüber Zeit dich mit mir zu treffen?“

Ich liebe meine Freiheit, mir meinen Tag unabhängig von starren Kernarbeitszeiten einzuteilen. Meine Freunde interpretieren dann schnell hinein: Toll, sie hat den ganzen Tag frei, wenn sie will. Sie möchten mich folglich mitten am Tag treffen. Allerdings bedenken Sie nicht, dass sich dann die Arbeit bis in den Abend verschiebt. Das möcht ich vermeiden. Ich habe schließlich nicht plötzlich mehr Freizeit, weil ich alles aufschieben kann. Es ist wohl eher das Gegenteil der Fall. Meine Freizeit muss ich bewusst planen und diese diszipliniert einhalten, wenn ich welche haben will. Theoretisch gäbe es nämlich immer etwas zu tun.

„Also mir würden da die geregelten Arbeitszeiten fehlen.“

Auch als Freiberufler kann man diese haben. Dann muss man sich disziplinieren können und beispielsweise ein Büro mieten. Man muss aber nicht. Und das empfinde ich als klaren Vorteil, dass mir das keiner vorschreiben kann.

„Du hast dann aber keinen sicheren Job.“

Sicherheit ist in meinen Augen relativ und unterliegt der persönlichen Einschätzung. Mein Umgang mit Risiko ist vielleicht etwas entspannter. Doch ich empfinde meine Selbstständigkeit nicht als unsicher, im Gegenteil: Es gibt immer Arbeit! Außerdem bin ich ein gefragter Spezialist. Im Zweifel kann ich mich mit meinem breiten Wissen auch immer wieder anstellen lassen.

„Deine entspannte Arbeit ist nichts gegen meinen stressigen Alltag!“

Das ist auch mein Eindruck. Eine Freundin von mir ist Krankenschwester. Sie erzählt mir fast immer, dass der Pflegenotstand das gesamte Personal unter Druck setzt. Das Personal rennt von Patient zu Patient – und wird doch nie fertig. Für den Patienten bleibt kaum Zeit. In diesen Momenten freue ich mich, Freiberufler zu sein. Auch wenn ich nicht immer entspannt arbeiten kann und mich Deadlines beschränken: Ich selbst bin die Einzige, die mich letztendlich wirklich unter Druck setzen kann. Denn ich bestimme selbst, was für mich persönlich Erfolg bedeutet.

Phrasen meiner Auftraggeber, die ich oft höre

„Übersetzen Sie auch Themen im Bereich Medizintechnik? Wir hätten da direkt einen Auftrag für Sie.“

Ich freue mich, dass Sie einen Anschlussauftrag für mich haben. Daraufhin erkläre ich höflich, dass mein Kernbereich woanders liegt. Ein Spezialist auf dem Gebiet macht dann bessere Arbeit. Meine Position gibt mir die Möglichkeit, mich immer wieder in neue Gebiete einzuarbeiten. Das mache ich aber nur, wenn es mich wirklich interessiert und sich für mich lohnt.

„Bekommen Sie das schnell bis Anfang nächster Woche hin?

Also „schnell schnell“ funktioniert bei mir schon mal gar nicht! Auftraggeber glauben gern, dass ich auch am Wochenende arbeite. Ich bin schließlich Freiberuflerin. Gerade wenn es schnell gehen soll, bin ich abgeneigt. Es ist ganz gleich, ob die Übersetzung schnell oder ohne Deadline erfolgen soll. Meine Erfahrung zeigt: Der zeitliche Aufwand ist letztendlich fast immer gleich. Im Zweifel  leidet tendenziell die Qualität, was ich meinen Kunden nicht zumuten möchte.

„Können Sie das auch für weniger Geld machen?“

Ich berechne meine Arbeit nach Festpreisen pro Wort. Kunden haben die Vorstellung, dass das auf Verhandlungsbasis wäre. Sicherlich gehört das dazu. Der Preis kann aber nicht unendlich gedrückt werden. Meine Top-Arbeit hat auch seinen Preis. Wenn ich die Wahl habe, sind Aufträge weit unter meinem Wert das erste Ausschlusskriterium.

Sie lesen diesen Artikel und bemerken: Meine eigentliche Herausforderung sind die Rechnungen, die ich an meine Kunden stelle. Denn es dauert immer lange bis die Zahlung erfolgt. Eigentlich haben Sie gar keine Lust auf langes Warten.

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