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Wie sich Schulden auf unsere Psyche auswirken

Laut einem Statistik-Portal gelten rund 6,91 Millionen Deutsche über 18 Jahren als überschuldet. Arbeitslosigkeit, Sucht oder Scheidung sind die häufigsten Ursachen. Überschuldete Menschen leiden dabei öfter unter psychologischen Störungen als der Rest der Bevölkerung.

Finanzielle Schwierigkeiten werden verdrängt oder verleugnet. Die Folgen sind Stimmungsschwankungen, Angstzustände, Schlafstörungen, Stress, Kopfschmerzen oder sogar Depressionen. Dabei ist nicht die eigentliche Schuldenlast Auslöser für die psychische Erkrankung, sondern allein die empfundene Bedrohung. Je stärker sich eine Person also belastet fühlt, desto schlechter geht es ihr auch. Folglich kann es sein, dass der Schuldenberg gar nicht so hoch ist, wie die Person ihn empfindet.

Studien beweisen Zusammenhänge

Der Soziologe Heiko Rüger hat in seiner Untersuchung 666 zahlungsunfähige Menschen aus Rheinland-Pfalz befragt. Vier von zehn Personen gaben an, an einer psychologischen Erkrankung zu leiden. Je weniger soziale Unterstützung sie erhielten, desto schlechter ging es ihnen auch.

Er stellte auch fest, dass diejenigen Personen besonders belastet waren, die keine Änderung ihrer momentanen Situation anstrebten. Anders sah es bei Personen aus, welche bereits eine Privatinsolvenz anmeldeten – sie fühlten sich psychisch besser.

Eine Studie aus dem Jahr 2004, welche von Ärztin Annika Rosengren von der Universität Göteborg durchgeführt wurde, zeigt ein ebenso erschreckendes Ergebnis: Menschen mit finanziellem Stress weisen demnach ein höheres Risiko für Herzinfarkte auf.

Psychologe Richard H. Price von der Universität Michigan stellt wiederum einen ganz anderen Zusammenhang dar. Laut seiner Studie sinkt das Selbstbewusstsein verschuldeter Personen stark und Depressionen steigen.

Auch die Universität Mainz konnte diese Ergebnisse in einer Studie bestätigen: Acht von zehn überschuldeten Personen aus ganz Deutschland sind krank und leiden häufiger an Depressionen und Psychosen. 62 Prozent der Befragten gaben zudem eine geringere Einbindung in ihr soziales Umfeld an.

Soziale Isolation, Suchterkrankungen und Depressionen – die Folgen der Überschuldung

Viele Betroffene möchten nicht über ihre finanzielle Situation sprechen. Aus Angst grenzen die sich immer weiter von ihrem sozialen Umfeld ab. Gemeinsame Unternehmungen werden gemieden, da die finanziellen Mittel nicht vorhanden sind. Seine Schwächen zuzugeben, fällt vielen Betroffenen schwer. Ein Zurechtkommen mit der Situation rückt so in weite Ferne.

Doch Schulden sind nicht nur Auslöser für soziale Isolation. Oft entstehen auch Abhängigkeitserkrankungen. Sucht und Schulden sind demnach ebenso stark miteinander verknüpft und können sich sogar gegenseitig beeinflussen. Menschen mit Suchterscheinungen sind besonders anfällig für Überschuldungen, andersherum neigen Personen in finanziellen Schwierigkeiten häufiger zu Suchterkrankungen, wie Alkohol-, Spiel- oder Medikamentensucht oder auch Drogenkonsum.

Eine massive Überschuldung kann enorme Auswirkungen auf das rationale Handeln haben. Depressive Menschen stürzen sich nicht selten in einen unkontrollierten Kaufrausch. „Frust-Shopping“ verschafft ihnen so, wenn auch nur für einen kurzen Moment, ein Gefühl des Glücks. Ein Teufelskreis, aus dem sie nur schwer wieder hinausfinden können, denn die finanzielle Situation verschlechtert sich immer weiter.

Wie Sie der Schuldenfalle entkommen, lesen Sie am Donnerstag, 26.04.2018 in unserem Wochentipp!